
Ich höre ein Lied und habe das Verlangen, es noch mal zu hören. Es bewegt mich und ich verspüre den Drang, es mit jeder Wiederholung ein bißchen lauter zu stellen. Nach den ersten Klängen hatte ich das Gefühl, ein Lied aus dem Genre der 20er Jahre zu hören. Und ich habe recht, aber es sind unsere 20er Jahre.
Der Text liefert eine Fülle an Details, informativ wie aus der Feder eines neutralen Journalisten, wie für ein Geschichtsbuch geschrieben. Er ruft nicht zu Handlungen auf, übt keine Kritik, hält lediglich den Spiegel des Zeitgeschehend der Gesellschaft vor, um mit Abstand beobachten zu können. Kein Hass, keine Hetze. Es werden Fakten aneinander gereiht.
Jeder darf in diesem Szenario sich seinen Platz suchen. Dieser Umstand macht diesen Text so besonders, er lässt Bilder in meinem Kopf entstehen und diese Bilder erzeugen in mir einen Strauß an Emotionen. Diese Bilder sind ein Feuerwerk aus Entsetzen, Verzweiflung, Trauer, Zorn und Wut. Dieses Lied führt unweigerlich zum Schluss in meiner traurigen Erkenntnis, dass auch die Spezie Mensch nicht in der Lage ist, wie bereits im Lied besungen, aus der Geschichte zu lernen.
Am Ende bleibt nur die Gier nach der Frage: Wem haben wir diesen Song zu verdanken?
Ich habe sie gefunden, er ist von Anja.
EP: Der Song „Nur eine Grippe“ ist von dir ?
ANJA: Ja, ist alles selbstgemacht
EP: Ich bin viel auf Telegram unterwegs und schaue auch viele Youtuber. Und da ist gestern bei FragJaNur die Frage aufgetaucht, wer dieses tolle Lied singt.
ANJA: Ja, die Frage, von wem das wohl ist, die geistert schon eine Weile durch den Raum.J a, ist alles selbstgemacht. Naja, es gibt so Momente, da muss das einfach raus also einen Moment hatte ich da auch. Nach dem Einkaufen…
EP: Kein Lied hat bisher die Situation so treffend wiedergegeben wie dein Lied.
ANJA:Das kann ich jetzt nicht beurteilen, es gibt so viele Lieder, und ich kenne glaube ich noch längst nicht alle.
EP: Ich schätze es wird uns noch lange begleiten, und vermutlich als das „Lied“ dieser schrecklichen Epoche in die Geschichte eingehen.
ANJA: Danke und gerne, habe nichts dagegen. Freue mich, wenn es gefällt und vielleicht die einen oder anderen doch noch zum Nachdenken anregt. Das wendet sich ja auch nicht an die üblichen, sondern einfach direkt mal an unsere Gesellschaft Naja, wollen wir uns nicht zu viel davon versprechen. Es gibt so viele tolle andere Songs, auch gerade die nicht nur für Freiheit sondern auch für den Frieden und ein respektvolles Miteinander stehen.
EP: Ich danke dir für deine Offenheit und melde mich wieder. Soweit verbleibe ich als der alte Mann mit drei Kindern und 7 Enkeln.
Text „Nur eine Grippe“ https://telegra.ph/Nur-eine-Grippe-01-03