
Oder doch nur Verblödung für Fortgeschrittene?Immer mehr conf. Produkte erobern die traditionelle, bürgerliche Küche und breiten sich wie die Pest aus. Essen und Trinken nur noch ein notwendiges Übel (eine Not abwenden).
Wir haben uns von der Tradition abgewandt, Speisen mit Genuss zu zelebrieren. Handwerke wie Koch, Bäcker oder Brauer, die in vergangenen Jahrhunderten weitergereicht wurden, haben keine Wertschätzung mehr. Die Sehnsucht einzelner Romantiker zu dieser Tradition und dem Wunsch d’ran anzuknüpfen, kann ich nachvollziehen. Aber auch die Industrie ist erwacht und bedient mit Leidenschaft diese Leidenschaft des Selbstgemachten. Während viele Küchenchefs nach Convenience Food (Bequemlichkeit) schielen, sehnen sich ewig Gestrige nach Handarbeit.
In meiner Jugend tauchten sie plötzlich auf, die Produkte zum selbermachen und umrühren wie TriTop, Nesquik, Eispulver, Kuchen-Backmischungen sowie Nudelgerichte mit Päckchen von Zutaten, fein säuberlich im Karton zusammengestellt. Schatz: „Ich habe UNS heute selbst etwas gekocht“ 🤣 Eine Illusion und selbst dabei konnte Mann/Frau noch etwas daran versauen. Es folgten Brotbackautomaten, die befüllt wurden mit vorgefertigten Brot-Back-Mischungen aus der Industrie. *Das erste selbstgebackene Brot*. Die Kreativität erinnert mich so an „Malen nach Zahlen“. Um diesen Selbstbetrug zu kaschieren und den Mehrwert zusätzlich zu untermauern, sind diese Produkte auch noch teurer als das fertige Zeug aus der Fabrik. Nein, TriTop war nie eine Limonade,
Nesquik nie ein Kakao, Nespresso nie ein Kaffee, das Brot aus dem Backautomat nie selbstgemacht und das Bier aus dem Bio-Bau-Kasten wird nie ein Bier sein.

Vom Thermomix möchte ich hier gar nicht erst anfangen. Ein Joghurt mit Erdbeergeschmack wird nicht zum Erdbeerjoghurt. Und ein Bier, das nie einen Kupferkessel gesehen hat ist und bleibt Wasser mit Biergeschmack. Ich kann nicht verstehen, dass gerade Leute, die sich über Öttinger Biere lustig machen als Billigware, sich ihre eigene Plörre brauen wollen und die Dreistigkeit besitzen, es Bier zu nennen. Es bleibt mir nur ein Hoch auszurufen auf unsere Brau- und Bäckermeister, und das gute alte deutsche Handwerk.